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das zauberwort heißt wahlfreiheit

Das Zauberwort heißt Wahlfreiheit“
Leserbrief zum Bericht „Plädoyer für Erhalt der Sonderschulen“ vom 16. Juni 2009 in der Badischen Zeitung.
Von Eva Kottmeier, Freiburg

Der Elternbeirat des Bildungs- und Beratungszentrums für Hörgeschädigte Stegen fordert den Erhalt von Sonderschulen und vermisst eine differenzierte Sichtweise des Themas. Dass das Bildungszentrum sowie andere Sonderschulen eine hervorragende Arbeit leisten und deren Abschaffung auch gar nicht zur Debatte stehen soll, stellt, so denke ich, auch niemand in Abrede.
Anzunehmen ist, dass der Impuls für das Verfassen der Resolution auf der jüngst vom Kultusminister geäußerten Absicht fußt, die Sonderschulpflicht abschaffen zu wollen. Hierbei ist allerdings zu betonen, dass Herr Rau nicht die Sonderschulen selbst aufgelöst wissen möchte, sondern die Pflicht oder gar den Zwang für behinderte Kinder, eine solche Schule besuchen zu müssen statt nur zu wollen.
Bislang war nämlich genau dies der Fall, auch wenn von Eltern anderes gewünscht wurde.
Die Absichtserklärung des Ministers ist für inklusionswillige Eltern behinderter Kinder ein lang ersehnter Streifen am Horizont. Viele, die einen anderen Weg für ihr Kind wählen wollten als den der Sonderbeschulung, wissen, was dies bedeuten könnte: kein steiniger Weg mehr, den man sich vorher oft mit Hilfe eines langen Atems, einem Haufen Geld geschundener Nerven und drohender Illegalität bei Nichtbefolgung des Sonderschulzwangs mühsam erkämpfen musste. Das Zauberwort, auf das wir gewartet haben, heißt Wahlfreiheit.
Diese wird konsequenterweise auch dazu führen, dass Schulbehörden, Kultusministerium Eltern und Lehrer sich Gedanken darüber machen müssen, wie eine inklusive Schule auszusehen hat, damit genau das nicht passiert, was der Elternbeirat des Bildungszentrums für Hörgeschädigte in Stegen moniert, als da sind: zu große Klassen, schlecht ausgebildete Lehrer, Mobbing, unzureichendes Equipment und vieles mehr.
Statt an der Sonderschule als einzigen Weg der Beschulung festzuhalten, wie im Artikel dargestellt („Nur in sonderpädagogischen Einrichtungen könne individuell auf die Kinder eingegangen werden“), sollte sich der Elternbeirat lieber über die neu gewonnenenen Möglichkeiten freuen, die sich fortan in unserer Bildungslandschaft ergeben werden.
Er könnte beispielsweise sein langjähriges Know-How an die allgemeinen Schulen weitergeben, damit sich zu dem künftigen Selbstverständnis, dass behinderte und nichtbehinderte Menschen von Kindesbeinen an in jedem gesellschaftlich relevanten Bereich zusammengehören, eine ausgezeichnete individuelle schulische Förderung gesellen kann.


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