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kongress „inklusion (er)leben-2 | impulsreferat

 
Impulsreferat von Brigitte Schumann,
schumann 2
gehalten auf dem Bildungskongress „Inklusion (er)leben2
von bildung neu denken e.V.  am 12. Mai 2012 in Freiburg i. Brsg.
 
 
Eine zentrale Aussage:

„Inklusion ist als übergeordnetes Leitprinzip für die Gestaltung des gesamten Bildungssystems zu behandeln. Es ist kein Spiegelstrichthema, das man neben vielen anderen auch noch aufgreift. Prof. Hinz vergleicht zu Recht Inklusion mit dem Nordstern. Er ist der hellste am Himmel und dient als Kompass.

Leider lassen sich die Strukturveränderungen, die in den Bundesländern schon vorgenommen wurden oder derzeit werden, nicht vom Leitprinzip der Inklusion leiten. Mit der Zweigliedrigkeit verfehlen die Länder eindeutig das Ziel der Inklusion. Mit der Ermöglichungspolitik verfehlen NRW und BaWü unter einer rot-grünen bzw. grün-roten Landesregierung aber nicht nur das Ziel. Sie haben nicht einmal eins, auf das sie perspektivisch zusteuern. Gefördert werden stattdessen Beliebigkeit und eine unsinnige und teure Ausweitung der problematischen Vielgliedrigkeit. Hier ist die Kritik des baden-württembergischen Städtetags durchaus angebracht, wenngleich ich das Ziel des Städtetags, die Zweigliedrigkeit, nicht teilen kann.

Die derzeitigen Rahmenbedingungen für gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne Behinderungen an allgemeinen Schulen sind an Integration orientiert. Ein rein quantitativer Ausbau der sonderpädagogischen Förderung in Regelschulen wird dem Inklusionsanspruch nicht gerecht. Ziel muss ein Drittes sein: eine „inklusive Pädagogik“, die mehr ist als Regelpädagogik plus Behindertenpädagogik. Es gibt aber leider keine verlässliche Rahmenplanung wie man von der Integration zur Inklusion kommt. Für die weiterführenden Schulen gilt das in besonderer Weise. Dort stoßen Selektionsanforderungen und Inklusionsanforderungen hart aufeinander. Dazu zähle ich die Klassenwiederholungen, die Abschulungen, die undifferenzierte Ziffernnotenbewertung, die schulformbezogenen Regelstandards, die Lernstandserhebungen, das G8. Also neben den traditionellen Klassikern der Selektion die selektiven Verfeinerungen, die nach Pisa den Schulen unter dem Label der Qualitätssicherung aufgezwungen wurden.

Auf die Haltung kommt es an! Aber wie kann da eine inklusive Haltung bei Lehrern und Lehrerinnen entstehen, wenn die Paradoxien nicht aufgelöst werden? Die „Haltungsschäden“ unserer Lehrer/innen aufgrund der Anpassung an systemische Homogenitätszwänge sind so nicht zu korrigieren.

Die bisherigen Finanzierungsmodelle sind unzureichend, defizitorientiert und stigmatisierend. Weitergedacht werden sollten die Modelle, die eine systembezogene Finanzierung ermöglichen..."

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