• kongress 2014

  • kongress 2012

  • 1
  • 2

„Dem finnischen Geheimnis auf der Spur"

Mit freundlicher Genehmigung von Erika Arndt (StD,Dipl.Päd. | Lehrbeauftragte für TZI - ruth cohn institute international) dokumentieren wir ihren ungekürzten Leserbrief als Antwort auf den BZ-Artikel mit dem Titel „Dem finnischen Geheimnis auf der Spur":

„Wie die Oberstufenschülerin, von deren Erfahrungen im Finnischen Schulsystem Sie berichten, haben sich seit den ersten PISA-Ergebnissen schon unzählige Bildungsdelegationen aufgemacht, um das „Geheimnis“ des Finnischen Schulsystems zu ergründen und auch sie kamen beeindruckt zurück. Es gibt inzwischen  eine große Zahl Auswertungen, die zu ähnlichen Ergebnissen kommen wie die zitierte Schülerin:

  • Das Schulsystem in Finnland setzt andere Prioritäten als das deutsche. Es geht nicht um frühe Auslese, sondern um möglichst lange gemeinsame Förderung der Schüler. Das ist eine Werteentscheidung, die i n Deutschland immer noch wenig Chancen hat, wie die Protestaktion in Hamburg (gegen die Verlängerung der Grundschulzeit auf 6 Jahre! ) gezeigt hat. Diese Aktion war offensichtlich getragen  von einer Bürgergruppe, der es um den Erhalt eigener Bildungsprivilegien ging und nicht um eine Pädagogik, die die Förderung aller Kinder ermöglicht. Die Ergebnisse aus Finnland haben hier nicht interessiert. PISA bescheinigte auch in der letzten Studie: Deutschland leistet sich eine beschämende (!) Korrelation von Bildungserfolg und sozialer Herkunft. Die Finnen sagen, bei lediglich fünf Millionen Einwohnern könne es sich Finnland überhaupt nicht leisten, auch nur ein Kind nicht zu fördern…“ Heißt das, Deutschland kann es sich leisten, Kinder nicht zu fördern, weil es genug Einwohner gibt und es auf ein paar Hunderttausend Schulversager nicht ankommt?
  • Das Schulsystem in Finnland setzt auf Eigenverantwortung. Es hat nicht die starre Struktur wie bei uns sondern bietet flexible Möglichkeiten bei der Zeiteinteilung (man kann in zwei, drei oder vier Jahren Abitur machen). Es gibt keine festen Jahrgänge sondern Kurse, die je nach individuellem Profil belegt  werden. Dennoch: am Ende steht ein Zentralabitur, das aber – anders als in Deutschland – nicht in einem Marathon, sondern nach und nach abgelegt werden kann. Was nachhaltiges Lernen mehr  fördert als eine auf einen Endpunkt ausgerichtete Wissensmast!
  • Das finnische Erfolgsmodell ist kein Geheimnis, das noch gelüftet werden müsste! Finnland ist kein didaktisches Wunderland – aber es zeigt eine pädagogische Praxis und eine Wertehaltung, die sich von unserer wesentlich unterscheidet. Das schlägt sich auch in Schulstrukturen nieder! Das eigentliche „Geheimnis“, das zu lüften sich lohnen würde: was macht  die deutsche Bildungspolitik so resistent gegen Veränderungen von längst fragwürdig gewordenen Strukturen?"

copyright © 2015 cmkkommunikation.de